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Die Nachtschicht und der Kessel, der überlief

Begonnen von choetmoa.m.t.hich, Jun 13, 2026, 06:15 NACHMITTAGS

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choetmoa.m.t.hich

Ich arbeite in einer Bäckerei. Nicht diese hippe, stylische Bäckerei mit Marmorböden und Macchiato um fünf Euro. Sondern eine richtige. Mit Mehlstaub in der Luft, mit Öfen, die dich anschreien, wenn du nicht aufpasst, und mit dem Bäcker, der um 3 Uhr morgens schon drei Bier intus hat.

Ja, du hast richtig gehört. Um drei Uhr morgens. Nachtschicht. Unser Bäcker, nennen wir ihn Klaus, ist ein Original. Graue Haare, Goldkettchen, und eine Stimme, die durch zwei Wände kommt. Er behauptet, er könne nicht backen, ohne vorher ,,in Stimmung zu kommen". Was auch immer das heißt.

Jedenfalls war ich an diesem Donnerstag wieder mal dabei. 2:30 Uhr aufstehen, 3:00 Uhr in der Backstube, 3:15 Uhr der erste Schwall warmer Teig. Die meiste Zeit läuft das im Automatismus. Kneten, formen, in den Ofen schieben, wieder rausholen. Kneten, formen, in den Ofen... Du wirst wahnsinnig, wenn du nicht aufpasst.

Und Klaus redet. Viel. Die ganze Nacht.

An diesem Morgen – es war noch Nacht, also technisch gesehen immer noch Nacht – kam er auf ein Thema. Online-Casinos. ,,Weißt du", sagte er und wischte sich den Schweiß von der Stirn, ,,ich mach das manchmal. Wenn der Ofen läuft und die Brötchen aufgehen. Nur so nebenbei. Auf dem Handy." Er zog sein altes, zerkratztes Smartphone aus der Hosentasche. ,,Hier. Schau mal."

Er zeigte mir eine Seite. Vavada Online Casino. ,,Läuft immer", sagte er. ,,Selbst hier, mit dem schlechten Empfang in der Backstube." Ich zuckte mit den Schultern. Nie meins. Aber Klaus ließ nicht locker. ,,Probier's doch einfach. Einmal. Du musst ja nicht gleich dein halbes Gehalt reinballern. Aber so für die Zeit, wenn die Brötchen im Ofen sind? Perfekt."

Ich lachte. Aber irgendwann, so um 4:30 Uhr, als der dritte Schub Brötchen im Ofen war und Klaus kurz nach oben verschwand, um ,,frische Luft zu schnappen" – da klickte ich drauf.

Seite lud. Account? Keinen. Also neu registrieren. Drei Minuten. Handy in einer Hand, Teigschaber in der anderen. 20 Euro eingezahlt. Das war mein Frühstücksgeld für die Woche. Klaus hätte gesagt: ,,Lehrgeld."

Ich suchte mir einen Slot aus. Nichts mit vielen Regeln. Ich war zu müde für Regeln. Ein einfaches Spiel mit Früchten. Kirschen, Pflaumen, diese goldenen Sterne. Der Sound war dezent. Perfekt für 4:30 Uhr morgens, wenn der Ofen brummt und draußen noch alles dunkel ist.

Ich setzte 40 Cent pro Drehung. Die ersten Runden: nichts. 20 Euro wurden zu 18. Dann zu 21. Dann wieder 19. So ein Hin und Her. Aber es war okay. Ich hatte Zeit. Die Brötchen brauchten noch zwölf Minuten.

Dann, bei Runde Nummer 23 – ich hab mitgezählt, weil ich nichts Besseres zu tun hatte – stoppten die Walzen. Drei goldene Sterne. Ein Bonusfenster öffnete sich. ,,Sternstunde", hieß es. Ich sollte Sternschnuppen fangen. Jede gefangene Sternschnuppe brachte Geld. Je schneller ich tippte, desto mehr.

Ich tippte wie ein Wahnsinniger. 12 Sternschnuppen. 18. 25. Bei 32 stoppte das Spiel. Jede brachte zwischen 2 und 8 Euro. Der Gesamtbetrag: 124 Euro.

Ich starrte auf das Display. Klaus kam gerade wieder rein, roch nach Zigaretten und kalter Luft. ,,Na?", fragte er. Ich drehte ihm das Handy hin. Er pfiff leise. ,,Nicht schlecht, Kleiner."

Dann der zweite Schub. Ich spielte weiter. Nicht lange. Nur noch fünf Runden. In der vierten Runde – wieder ein Bonus. Wieder Sterne. Diesmal nur 38 Euro. Aber zusammen mit den 124 Euro und dem Rest auf meinem Konto: 172 Euro.

Die Brötchen waren fertig. Ich zog sie aus dem Ofen, stellte sie auf das Gitter, und drückte mit schmierigen Fingern auf ,,Auszahlung". 150 Euro gingen auf mein Konto. 22 Euro ließ ich für die nächste Nachtschicht.

Klaus klopfte mir auf die Schulter. ,,Siehst du", sagte er. ,,Man muss nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein." Ich lachte. Die Backstube roch nach frischem Brot, nach Hefe und ein bisschen nach Abenteuer. Am nächsten Morgen, als ich nach Hause kam, war das Geld da. 150 Euro. Dafür musste ich nicht mal früher aufstehen.

Seitdem? Ich spiele manchmal. Immer in der Nachtschicht. Immer wenn die Brötchen im Ofen sind und Klaus oben eine raucht. Immer über Vavada Online Casino, weil es selbst mit schlechtem Empfang in der Backstube funktioniert. Meistens sind es 10 Euro hier, 15 Euro da. Einmal habe ich 30 Euro verloren. Aber das war okay. Weil ich weiß, dass der Ofen läuft, das Brot aufgeht – und irgendwann, ganz selten, die Sterne fallen.

Klaus hat übrigens seine eigene Geschichte. Er hat mir letzte Woche gestanden, dass er mal 400 Euro gewonnen hat. Mit einem Slot, der Pferde hieß. Um 5 Uhr morgens. Er hat sich davon neue Arbeitshandschuhe gekauft und eine Flasche Whiskey. ,,Für schlechte Tage", sagte er.

Ich hab mir von meinen 150 Euro nichts Besonderes gekauft. Einfach ein paar Rechnungen bezahlt. Aber jedes Mal, wenn ich jetzt nachts in der Backstube stehe, der Ofen brummt und Klaus seine Zigarette raucht – dann denke ich an diese eine halbe Stunde. An die Sterne. An das Gefühl, dass selbst in der dunkelsten Nacht manchmal etwas leuchtet.

Die Brötchen sind übrigens gut geworden. An diesem Tag besonders. Vielleicht lag es am Teig. Vielleicht an der Laune. Vielleicht auch an den 150 Euro.

Egal. Der Kunde kauft sie trotzdem. Und das ist die Hauptsache.


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